Böse, tiefgründig und extrem spannend: Tränenbringer

„Tränenbringer“ ist ein echter Reißer – und nichts für schwache Nerven

Es gibt diese Bücher, die man in einem Schwung von der ersten bis zur letzten Seite lesen möchte. Die so spannend sind, dass man sie nicht aus der Hand legen kann. Und die so furchtbar sind, dass man sich nicht traut, sie abends vorm Einschlafen zu lesen – und es dann doch macht, weil die Geschichte einfach so fesselnd ist, dass man weiterlesen MUSS. Genau so ein Buch ist „Tränenbringer“ von Veit Etzold.

Schon die ersten Seiten des Buches lassen einem Bilder vor dem inneren Auge erscheinen, die man vielleicht so lieber nicht sehen würde. Aussagen eines Serienkillers, ein Ausschnitt aus einem Darknet-Chat und ein wirrer, heruntergekommener Kerl, der mitten über die Kurfürstenstraße in Berlin rennt, dabei Gummihandschuhe trägt und einen fragwürdigen, braun verschmierten Karton in den Händen hält – um von einem Lkw über den Haufen gefahren zu werden. Danke, das hat mir fürs Erste gereicht, denn eigentlich wollte ich vor dem Einschlafen nur kurz ins neue Buch schauen. Da der verwirrte Kerl mit dem Karton allerdings mehr als plastisch beschrieben wurde, sah ich direkt seine irren Augen vor mir und einschlafen hatte sich erledigt.

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Natürlich habe ich weitergelesen und der mittlerweile fünfte Fall um Clara Vidalis hat mich sofort gefesselt, obwohl ich die Vorgänger-Bände nicht kenne. Clara Vidalis ist Hauptkommissarin und Expertin für Pathopsychologie beim LKA Berlin und die Hautpfigur in Veit Etzolds Thriller-Reihe. Liiert mit ihrem Kollegen Martin Friedrich – MacDeath genannt – hat die Ermittlerin nicht nur ein spannendes Berufs-, sondern auch ein lebendiges Privatleben zu bieten.

Wie sich schnell herausstellt, transportierte der irre Junkie auf der Kurfürstenstraße Leichenteile in seinem Karton. Die Füße eines Mädchens. Abgetrennt nach dessen Tod, wie sich bei der genaueren Untersuchung ergibt. Für Clara Vidalis und ihr Team beginnt eine nervenaufreibende Suche nach einem Serienmörder, der junge Frauen entführt, tötet und einzelne Körperteile an deren Eltern schickt. Hinzu kommen grausame Morde an Prostituierten – schon bald ist in Berlin die Rede vom „Reinickendorf-Ripper“, auch die Boulevardpresse greift den „Stoff“ begeistert auf.

Wer steckt hinter den Morden? Was treibt den Mörder an, seine ekelhaften Taten zu begehen? Ist es nur ein Täter, sind es mehrere? Aus häufig wechselnder Perspektive – ohne, dass es verwirrend oder unübersichtlich wird – löst Veit Etzold den Fall Stück für Stück auf und lässt seine Leser dabei in menschliche Abgründe und Tiefen des Internets blicken, von denen ich gerne nicht gewusst hätte, dass es sie gibt. Die Mischung aus klassischen Thriller-Elementen wie Verhören, Ermittlungen und dem Auflauern von möglichen Tätern bringt der Autor zudem fundiertes technisches Wissen und viel Psychologie in „Tränenbringer“ unter.

Dabei bezieht er Clara Vidalis sehr persönlich in die Handlung ein, die sich in einem wirklich dramatischen Finale entlädt. Nicht nur harte Fakten und Brutalität machen den Thriller zu etwas Besonderem, Veit Etzold hat es außerdem geschafft, Claras Gefühle so anschaulich zu vermitteln, dass mir am Ende des Buches tatsächlich die Tränen übers Gesicht gelaufen sind.

Mein Fazit: „Tränenbringer“ ist ein unheimlich packender Thriller, der mich schon nach wenigen Sätzen nicht mehr losgelassen hat. Doch Vorsicht: Das Buch ist wirklich nichts für schwache Nerven und enthält etliche Szenen, die einen ganz schön mitnehmen können – vor allem, wenn man eine Fantasie hat, die einem geschriebene Szenen direkt zu Bildern werden lässt…

Veit Etzold: „Tränenbringer“, DroemerKnaur, ISBN: 978-3-426-52069-7, 10,99 Euro (Taschenbuch)

 

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