„Leichen-Leo“ ist wieder da: „Schwarzwasser“

Der siebte Tegernsee-Krimi von Andreas Föhr

Kommissar Clemens Wallner ermittelt in seinem siebten Fall und wieder einmal ist Polizeiobermeister Leo Kreuthner derjenige, die die Leiche entdeckt… Das ist auf ominöse Weise bisher in jedem Fall so gewesen und auch dieses Mal verwickelt sich der sehr spezielle Zeitgenosse in eine haarsträubende Geschichte, aus der er nur schwer wieder herauskommen kann. Im Gegensatz zu den vorigen Wallner-Krimis spielt „Schwarzwasser“ nicht nur in der Region rund um den Tegernsee, sondern taucht tief in die Vergangenheit ein, die in Berlin spielt. Russenmafia, ein Immobilienskandal, Kreuthners Schandtaten und nicht zuletzt Wallners Privatleben machen den neuen Krimi von Andreas Föhr zu einem echten Lesevergnügen.

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Cover: Droemer Knaur

Mitten in der Faschingszeit wird Clemens Wallner nachts zu einem Leichenfund gerufen: Da es sich um einen älteren Mann handeln soll und dummerweise das Auto von Wallners Opa Manfred nicht da steht, wo es zu dieser Uhrzeit hingehört, sondern vor dem Haus, in dem die Leiche gefunden wurde, steht der Kommissar kurz vor einer Herzattacke – um kurz darauf den alten Herrn, passenderweise als Gevatter Tod verkleidet, zusammen mit Leo Kreuthner und dessen Eroberung des Faschingsballs, quicklebendig anzutreffen. Unglücklicherweise hat der Tote dem geplanten Schäferstündchen von Kreuthner und der Hundsgeiger Michaela einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Und Opa Manfred hat als Fahrer des aktuell führerscheinlosen Kreuthner umsonst Blut und Wasser geschwitzt bei seiner Kamikaze-Fahrt durch den Schnee. Allein die Story, wie die drei in dieses Haus gelangt sind, ist an Skurillität nicht zu überbieten.

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Andreas Föhr las auf der Buchmesse in Frankfurt aus „Schwarzwasser“. 

Ich hatte vor zwei Wochen das große Glück, auf der Buchmesse zu sein, als auch Andreas Föhr am Droemer Knaur-Stand war und exakt diese Stelle aus „Schwarzwasser“ vor Publikum gelesen hat. Herrlich!

Wer ist der unbekannte Tote?

Bei dem Toten handelt es sich um einen gewissen Klaus Wartberg und eine junge Frau aus dem Ort, die sich mit ihm im Haus aufgehalten hat, gilt als verdächtig, den Mann erschossen zu haben. Doch ist sie wirklich die Mörderin? Und warum hat der Tote seine wahre Identität verschleiert und unter falschem Namen mit falschen Papieren gelebt?

Im Laufe der Handlung wechselt die Perspektive immer wieder: Ein Teil der Handlung findet aktuell am Tegernsee statt, ein anderer spielt in den 1990er-Jahren in Berlin. Im Mittelpunkt des damaligen Geschehens steht der nicht sehr erfolgreiche Anwalt Dieter Sitting. Zunächst dümpeln die „Geschäfte“ eher langsam dahin, dann taucht ein Geschäftsmann in der Kanzlei auf und verhilft dem Anwalt immer öfter zu lukrativen Aufträgen – die ihn schließlich in die Hände russischer Waffenhändler treiben…

Die Verknüpfung beider Handlungen dröselt Andreas Föhr auf den 400 Seiten seines Krimis nach und nach auf und schafft schließlich die Verbindung beider Stränge. Dazwischen liegen äußerst unterhaltsame und spannende Kapitel, die zum einen die Ermittlungen im Mordfall thematisieren, aber auch die gewohnt schrulligen Charaktere der Wallner-Fälle nicht zu kurz kommen lassen.

An erster Stelle sind hier Kreuthners meist doch eher bescheuerte Aktionen zu nennen, die an dessen Verstand zweifeln lassen. Auch die üblichen „Verdächtigen“ in der Spelunke des Ortes, der „Mangfallmühle“ tragen ihren Teil zu diesem siebten Fall bei. Schließlich wird auch Wallner selbst von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt, denn sein verschwundener und in Südamerika lebender Vater taucht plötzlich am Tegernsee auf.

Ich persönlich mochte die Figur des Kommissar Wallner vom ersten Band an sehr. Er ist eine Type, ohne überzeichnet zu sein und mit Klamauk daherzukommen. Andreas Föhr gelingt in seinen Krimis die tolle Kombination aus Lokalkolorit mit den dazugehörigen „Originalen“, die einen Regionalkrimi ausmachen und einem sympathischen Ermittler, der eher durch seine Sensibilität als durch Draufgängertum auffällt.

Wer noch keinen Wallner-Krimi gelesen hat, dem kann ich nur empfehlen: Fangt an! „Schwarzwasser“ versteht man zwar auch, ohne die vorigen Bände zu kennen, aber es ist um einiges lustiger, zu wissen, was Kreuthner in der Vergangenheit schon alles getrieben hat und warum das Verhältnis zwischen Clemens Wallner und Opa Manfred so besonders ist.

Fazit: „Schwarzwasser“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt und ich freue mich schon auf den nächsten Krimi mit Clemens Wallner (und dem durchgeknallten „Leichen-Leo“).

Andreas Föhr: „Schwarzwasser“, Droemer Knaur, 400 Seiten, ISBN: 978-3-426-65421-7, 14,99 Euro (eBook: 12,99 Euro)

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