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“Still ruft der See”: Hobbydetektiv Theo ermittelt

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Michael Wagners Sauerland-Krimi “Still ruft der See” ist herrlich verschroben

Lust auf eine Zeitreise in die 70er? Und auf eine Reise ins Sauerland? “Still ruft der See” hat Beides zu bieten – und steckt voller Lokalkolorit und schräger Vögel. Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland… Na, wer hat jetzt auch einen Ohrwurm? Obwohl das Sauerland nur etwas mehr als eine Stunde von mir entfernt ist, hatte ich bisher noch keinen Krimi aus dem Sauerland in der Hand. Das hat sich jetzt zum Glück geändert, nachdem ich Michael Wagners Krimi “Still ruft der See” gelesen habe.

Der Krimi ist kein klassischer Krimi im Sinne von “jemand wird ermordet, Ermittler XY macht sich an die Arbeit, der Mörder wird gefunden und verhaftet”. Im Gegensatz zu klassischen Krimis geht in diesem Fall ein Hobbydetektiv ans Werk: Frührentner Theo Kettling und seine “Kollegin”, die überaus neugierige und erfindungsreiche Lieselotte Larisch. Außerdem ist das Buch eine echte Zeitreise, denn es spielt in den 70er-Jahren.

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Und los geht’s: Theo begleitet seine Kumpels, die Rockband “Hill Cats” zu einem Auftritt am Chiemsee. Mit dabei ist auch Sabine, die Sängerin der Band, die Theo vielleicht ein bisschen mehr als nur sympathisch findet. Aber auch nur vielleicht. Während die Band-Jungs nach dem Auftritt noch weiterziehen und feiern, fahren Theo und Sabine ins Hotel zurück und nehmen noch einen Absacker auf der Terrasse. Dort lernen sie das Ehepaar Ute und Georg Reimer vor. Die Beiden kommen zufällig auch aus dem Sauerland, aus Neu-Listernohl am Biggesee. “Neu” deshalb, weil das eigentliche Dorf Listernohl für den Bau des Staussees geflutet wurde und die Bewohner umgesiedelt wurden. Ute Reimer leidet an Depressionen, wie ihr Mann erklärt. Schon wenige Stunden kommt es zum Drama: Ute Reimer ist verschwunden!

Theo und Lieselotte: Zwei Spürnasen auf Mördersuche

Während Theo und Sabine zurück ins Sauerland fahren, wird in einem Fluss in der Nähe des Urlaubsortes die Leiche von Ute Reimer gefunden. Von dem Fund hören Theo und Sabine im Autoradio. Sie berichten zu Hause ihrer gemeinsamen Bekannten Lieselotte Larisch von den Ereignissen. Die ehemalige Schulrektorin ist sofort Feuer und Flamme, als sie vom seltsamen Verhalten der toten Frau hört. “Böse Menschen verfolgen mich”, hat sie an ihrem letzten Abend am Chiemsee zu Sabine und Theo gesagt und dabei sehr verstört gewirkt.

Lieselotte fackelt nicht lange und schlüpft sofort in ihre Liebslingsrolle der Hobby-Ermittlerin. Und Theo ist mit von der Partie, ob er will oder nicht. Für die Spürnase steht fest: Frau Reimer hat auf keinen Fall Selbstmord begangen wegen ihrer Depressionen, sie muss ermordet worden sein.

Tatsächlich stoßen Lieselotte und ihre beiden Helfer – inklusive Lieselottes riesiger Dogge Cleo – bald auf Ereignisse aus der Vergangenheit, die mit der toten Frau Reimer zu tun haben. Eine spannende Recherche beginnt, die das Trio nach Neu-Listernohl, zur Lokalzeitung, auf einen Ausflugsdampfer auf dem Biggesee und schließlich sogar an den Chiemsee führt. Zwischendurch kauft sich Theo auch noch einen Oltimer-Traktor und zuckelt ab sofort mit einem echten Lamborghini durchs Sauerland.

“Still ruft der See” macht richtig Spaß und ist die perfekte Lektüre für ein Wochenende, an dem man sich am liebsten mit einem Buch auf der Couch einkuschelt. Obwohl ich, zugegebenermaßen, sonst eher auf “echte” Ermittler in Krimis stehe, sind mir Theo und Lieselotte direkt sympathisch gewesen. Ich habe anfangs einen Moment gebraucht, um in der Handlung und auch in der Zeit anzukommen, aber dann habe ich das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen. Michael Wagner hat sehr gut recherchiert und stimmige Charaktere erschaffen. Dazu mit er jede Menge Lokalkolorit und mindestens genauso viel Humor. Ich mag ja schräge Vögel, und davon gibt es in “Still ruft der See” gleich eine ganze Menge. Spätestens, als die drei Hobbyermittler sich mit Dogge Cleo in Lieselottes Mini quetschen und diese wie ein Henker durchs hügelige Sauerland brettert, habe ich lauthals lachen müssen.

Wer Krimis mit einem Augenzwinkern mag und sich gerne in die 70er-Jahre zurückversetzen lassen möchte, wird sicher viel Spaß mit “Still ruft der See” haben. Im Epilog erklärt Michael Wagner übrigens auch, wie es zur ungewöhnlichen Abwandlung dieser Redewendung gekommen ist…

Ach ja: Natürlich lösen Theo und Lieselotte den myteriösen Fall am Ende – und zwar mit einem krachenden Finale. Aber mehr verrate ich Euch natürlich nicht…

Michael Wagner: “Still ruft der See”, LV Buch, 240 Seiten, ISBN: 978-3-7843-5651-8, 14 Euro

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