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„Unterm Schinder“: der neunte Fall für Kommissar Wallner

In seinem neuen Tegernsee-Krimi hat Wallner eine Begegnung mit der Vergangenheit

Natürlich ist Polizeimeister Leonhardt Kreuthner wieder derjenige, der eine Tote findet. Natürlich sorgt Wallners Großvater Manfred wieder für Trubel. Und natürlich ist „Unterm Schinder“ wieder ein Regionalkrimi von Andreas Föhr, der jede Menge Spannung bietet. 

Was passiert, wenn der alte Draufgänger und nicht immer nüchterne Polizeimeister Leonhardt Kreuthner seine neue Kollegin so richtig beeindrucken will und den Held im Erdbeerfeld spielt? Richtig: Es gibt Chaos. Und einen Toten. Kreuthner hat sich eine selten dämliche Idee einfallen lassen. Auf Streife mit der neuen – jungen und attraktiven – Kollegin gibt er vor, einem Einbrecher auf der Spur zu sein. Dieser wird von seinem Kumpel gespielt und sollte eigentlich mit Platzpatronen bei der Verfolgungsjagd auf den Polizeimeister schießen. Plötzlich hat es Kreuthner mit einem echten Täter zu tun, der mit scharfer Munition schießt und ihm eine ordentliche Kopfverletzung verpasst.

Schluss war’s mit der Helden-Spielerei. Eine Tote gibt es trotzdem – in der Gefriertruhe des Hofes wird die Leiche von Carmen Skriba gefunden. Hier kommt Kommissar Clemens Wallner von der Kripo Miesbach ins Spiel. Die Tote kennt er noch aus einem zurückliegenden Fall. Carmen Skribas Ehemann wurde auf dieselbe Weise ermordet und Wallner kam daran einiges spanisch vor. Zuerst der Mann, jetzt seine Ehefrau? Wie passt das zusammen? Gibt es eine Verbindung? War es vielleicht sogar dieselbe Täterin?

Die kann es eigentlich nicht gewesen sein, sie sitzt nämlich im Gefängnis. Wallner besucht die junge Frau, weil er sich wertvolle Informationen erhofft, die ihn in diesem Fall weiterbringen. Doch Jennifer legt es lieber darauf an, dem smarten, aber sehr reservierten Kommissar einen Heiratsantrag zu machen.

Wallner und sein Team stochern lange im Nebel, während der Leser durch die geschickt geführte Nebenhandlung schon einige Schritte weiter ist. Das mag ich so sehr an Andreas Föhr: Er hat eine unaufgeregte und trotzdem spannende Art, seine Geschichten zu erzählen. Auf der einen Seite bayerische Gemütlichkeit, auf der anderen Seite intelligent gelegte Spuren. Auch eine Menge Lokalkolorit bringt er in „Unterm Schinder“ unter, aber das erwarte ich auch, wenn ich einen neuen Wallner-Krimi lese.

Apropos Wallner: Ich mag den Typen ja. Diese zurückhaltende Art, die Macke, ständig zu frieren und eine Daunenjacke zu tragen und die WG mit Opa Manfred, der im Gegensatz zu seinem Enkel auch mal einem Joint nicht abgeneigt ist.

Warum Ihr „Unterm Schinder“ lesen solltet? Weil Wallner auch in seinem inzwischen neunten Fall immer noch spannende Fälle zu lösen hat. Außerdem macht das Spielen mit den so gegensätzlichen Figuren immer noch richtig Spaß und die ansprechende Schreibe des Autors sowieso. Falls Ihr also noch auf der Suche nach einem spannenden Krimi aus der Region um den Tegernsee seid, holt Euch „Unterm Schinder“. Dass der Titel übrigens nichts mit „schinden“ oder „geschunden werden“ zu tun hat, sondern sich auf einen Berg bezieht, kann ich Euch schon vorab verraten. Den Rest müsst Ihr selbst herausfinden – auch, ob der schüchterne Kommissar am Ende doch noch eine Kriminelle heiratet…

Andreas Föhr: „Unterm Schinder“, DroemerKnaur, 384 Seiten, ISBN: 978-3-426-22669-8, 14,99 Euro (Paperback), 12,99 Euro (eBook)

 

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