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„Die Kommissarin und der Metzger“: Skurriles aus dem Münsterland

Von wegen friedliches Münsterland: Hier geht es hoch her

Eine Kommissarin, die ihren Bruder „Metzger“ nennt, eine Leiche, die den Schweinen zum Fraß vorgeworfen wird und eine unfassbar skurrile Story: Wer jetzt denkt, dass es das nicht gibt, sollte „Die Kommissarin und der Metzger“ von Bent Ohle lesen. Ja, der Krimi steckt voller Klischees über die etwas rumpeligen Münsterländer. Ja, die Namen sind eine Parodie auf alles, was man mit der Gegend in Verbindung bringen kann. Und ja, in gewisser Weise erinnert die Konstellation zwischen Kommissarin Tanja Terholte und dem unfähigen Gerichtsmediziner Dr. Schulze-Brenningkemper an ein gewisses Tatort-Team. Aber hey – wenn das mal nicht Unterhaltung pur ist, weiß ich’s auch nicht…

Zur Story: Tanja Terholte, Kriminalhauptkommissarin in Münster, lebt mit Bruder Rudi und Mutter Elisabeth auf einem Hof im Münsterland. Rudi ist Metzger, Elisabeth schon vor Ewigkeiten von ihrem Mann sitzen gelassen worden, nebenbei züchten Tanja und Rudi Wagyu-Rinder. „Moin, Schwester.“ „Moin, Metzger.“ Der kurze Dialog beschreibt schon treffend das Verhältnis und den Umgang der Geschwister: Beide machen nicht viele Worte, bleiben auf Distanz und mögen sich doch sehr. auch Mutter Elisabeth passt mit ihrer knochentrockenen Art bestens dazu. Zu dritt trinken sie Schnaps. Die Flasche ist leer, Mutter Elisabeth: „Na, dann kann ich auch ins Bett gehen.“ Ich finde Familie Terholte zum Brüllen komisch und hatte sofort Bilder im Kopf!

Zurück zum Fall, denn gemordet wird in „Die Kommissarin und der Metzger“ natürlich auch. Tanja wird zu einem Hof in ihrem Ort gerufen. In der kleinen Stadt Horstmar meldet ein Bauer, er habe Leichenteile im Stall gefunden. Da er einen Finger entdeckt hat, ist er sich sicher: Hier wurde ein Mensch getötet und den Schweinen zum Fraß vorgeworfen. Tanja ist entsetzt, so ein Verbrechen hat sie in ihrer Heimat niemals vermutet.

Als ob Leichenteile im Schweinetrog noch nicht schlimm genug wären, ist kurz darauf auch noch Tierarzt Dr. Stratmann verschwunden. Was vor allem einigen Damen aus dem Ort schwer zu schaffen macht, denn sie sind untröstlich. Da stoßen Bauarbeiter bei Abrissarbeiten schon wieder auf Knochen! Ist das der verschwundene Tierarzt? Und was ist in dieser sonst so verschlafenen Gegend denn plötzlich los?

Tanja und ihr Team ermitteln, auch Bruder Rudi wird in die Ermittlungen einbezogen. Schließlich kennt er sich als Metzger bestens mit Messern und Schnittechniken aus und kann dem nicht wirklich kompetenten Gerichtsmediziner noch einiges erklären. Die Ermittler tauchen unerwartet in kriminelle Machenschaften auf, die im Münsterland so wohl noch nie vorgekommen sind. Als Leser erwartet Euch die eine oder andere faustdicke Überraschung, versprochen!

„Die Kommissarin und der Metzger“ macht wirklich richtig Spaß. Ich musste mich anfangs in den Stil einlesen und mich an die trockene Art der Münsterländer gewöhnen. Pragmatisch und anpackend sind allerdings Eigenschaften, die ich im echten Leben sehr gerne mag. Insofern habe ich mich schnell mit dem Krimi angefreundet und meinen Spaß daran gefunden. Bent Ohle hat in seinem Buch einfach so herrlich schrullige Charaktere entworfen, dass man direkt mitfiebert und wissen will, wie sich die Handlung entwickelt.

Wer Lust auf jede Menge Landleben, Wortwitz und einen außergewöhnlichen Mordfall hat, ist mit „Die Kommissarin und der Metzger“ super beraten. Vielleicht ist der Krimi auch schon ein Geschenketipp für Fans von Regionalkrimis…

Bent Ohle: „Die Kommissarin und der Metzger“, LV Buch, 240 Seiten, ISBN: 978-3-7843-5614-3, 14 Euro (Taschenbuch)

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